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2026
Production: NCCR Evolving Language, KorSonoR and Stiftung Kunst und Natur Sinclair Haus
B5—his name shared with a musical note—was an adult zebra finch who became the subject of a study in a lab. One night, during the spring of 2023 as he slept for 11 hours, a recording of his neural activity revealed hundreds of short, sonic dreams.
This work transcribes B5's dream-filled night into a musical score, making his dreams audible by mapping patterns of neural activity during sleep against those recorded while singing.
Poem, post, song or dream, every act of thought becomes a data point to feed a new machine. Let us slow down, really listen and observe each of these points, because when we are no longer able to understand what it is like to be another, only objectification and oppression remain. Let us attempt to feel what it is like to be B5.
Listening has always been my passion. Through sound, I was drawn to the study of living organisms: buzzing mosquitoes, synchronising fireflies, pigeons, ants, and songbirds. Along the way, I have encountered many fascinating beings – individuals often dismissed as pests, objects or mere datapoints. I believe that there is space for empathy in science. Its machines and formulas discover silenced voices. Through listening we can connect with worlds still unknown to us.
Podcast episode by Stiftung Kunst und Natur here (in German)
Vögel träumen. Die wissenschaftliche Forschung dazu bildet den Ausgangspunkt für Robin Meier Wiratungas künstlerische Arbeit. Im Mittelpunkt steht der Traum eines Zebrafinken, der im Frühling 2023 aufgezeichnet wurde. Der Vogel hieß B5 – wie die gleichnamige Musiknote – und lebte rund fünf Jahre im Labor. Zebrafinken gelten als Modellorganismen der experimentellen Hirnforschung. Ausgangspunkt für Meier Wiratungas Arbeit war das Interesse an der Forschung, doch nach und nach rückte das Individuum B5 mehr in den Fokus. Enstanden ist schließlich eine Art Porträt – zusammengestellt aus den über den Vogel gesammelten Daten und dem, was sonst über ihn bekannt ist.
B5’s Dream beschäftigt sich nicht nur mit Fragen, die im Zusammenspiel von Neurowissenschaften, Verhaltensforschung und Künstlicher Intelligenz entstehen, sondern auch mit jenen, die unbeantwortet bleiben. Was können wir wissen? Welche Mittel sind ethisch legitim, um Erkenntnisse über Lebewesen zu gewinnen? Wie gehen wir mit dem Paradox um, dass Wissen über Verwandtschaften zwischen Arten oft durch Gefangenschaft oder Tötung von Individuen entsteht? Und wie verändern Technologie und Wissenschaft unsere Vorstellungen von Bewusstsein und Wahrnehmung?
Handgebundenes Leporello, Stereo-Sound B5’s Dream (11 Stunden)
Ein Forschungsergebnis zeigt, dass bei Vögeln im Traum häufig dieselben Hirnareale aktiv sind wie beim Singen im Wachzustand. Mithilfe von Gehirnstromaufzeichnungen und algorithmischer Auswertung konnte festgestellt werden, dass Zebrafinken Melodien zunächst träumen, bevor sie sie Tage später singen. In dem Leporello sind elf Stunden Traumzeit von B5 aufgezeichnet. Die Tonspur macht diese geträumten Klänge hörbar und spielt sie in Echtzeit über elf Stunden, getrennt nach den Hirnhälften auf dem rechten und linken Lautsprecher.
Generatives Video B5’s Dream (11 Stunden, synchron zum Leporello-Sound)
In diesem Video geht es um das Träumen als biologischen Zustand, den Menschen und Vögel erfahren. Aktuelle Forschungen legen nahe, dass sich das Träumen sehr früh in der Evolution entwickelt hat – vielleicht zunächst bei Vögeln oder ihren Vorfahren. Vor diesem Hintergrund wird der Traum als möglicher Ursprung von Bewusstsein angenommen, den verschiedene Spezies gemeinsam haben. Durch die Verbindung von Laboraufnahmen aus der Umgebung von B5, Bildern des schlafenden Vogels und künstlerisch nachgestellten Traumsequenzen von Robin Meier Wiratunga entsteht keine Rekonstruktion eines konkreten Traums. Vielmehr nähert sich das Video spekulativ dem Träumen als Zwischenraum zwischen biologischem Prozess, Erinnerung und Wahrnehmung.
Büro- und Labormaterialien, lasergedruckte Textauszüge und Videostills,
Videoloop Dreamers (7 Min.), Videoloop Umwelt B5 (10 Min.)
Der künstlerisch inszenierte Schreibtisch entstammt dem Labor, in dem B5 erforscht wurde. Zu sehen sind Objekte, mit denen der Vogel im Lauf seines Lebens in Berührung kam, etwa eine Badeschale oder ein Futterspender. Auf einem Monitor laufen Videos schlafender Tiere. Viele Arten träumen im Schlaf, darunter auch der Mensch – doch wie unterscheiden sich ihre Träume? Auf einem zweiten Monitor sind Szenen aus dem Laboralltag von B5 zu sehen: Räume, Materialien sowie Gesten und Klänge, die seine Umwelt bestimmten.